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Indien Bhāratīya Ganarăjya 

Landesnatur Mit einer Erstreckung von rund 3200 km von Norden nach Süden und 2900 km von Westen nach Osten hat Indien subkontinentale Ausmaße. An der gegensätzlichen Landesnatur sind 3 große Naturräume beteiligt: Der Himalaya, das Ganges- und Brahmaputra-Tiefland (einschließlich dem randlichen Indus-Tiefland) und das Dekanhochland. Nur kleine Landesteile im Nordwesten und Nordosten (Kaschmir, Assam) entfallen auf den Himalaya, dagegen über ein Drittel der Landesfläche auf die nordindische Schwemmlandebene, schließlich rund die Hälfte des Landes auf das Dekanhochland. Das von den Westghats(Anai Mudi 2695 m) und den flacheren Ostghats (Devodi Munda 1680 m) gesäumte Dekanhochland fällt insgesamt nach Osten ab, wird von mehreren Strömen (u. a. Mahanadi, Godavari) stark zerschnitten und von Mittelgebirgen (Satpuragebirge, Vindhyakette, Bergland von Chota Nagpur) stärker reliefiert. In Indien treten relativ oft schwere Erdbeben auf, so zuletzt 2001 in Gujarat (rund 25 000 Tote).
  Klima Das tropische, im Norden subtropische Klima wird vom Monsun bestimmt, der mit Winden aus Südwesten von Mai/Juni bis September die Hauptniederschläge bringt. Besonders reiche Niederschläge fallen an den Hängen der Westghats und des Himalaya sowie in Assam und in Bengalen. Außerordentlich trocken ist der Nordwesten Indiens (Rajasthan, Wüste Thar). Die von Jahr zu Jahr stark schwankenden Niederschläge führen immer wieder zu Dürre- oder Flutkatastrophen; am Golf von Bengalen treten häufig tropische Wirbelstürme auf.

Bevölkerung Die Bevölkerung hat sich seit Erlangung der Unabhängigkeit (1947) fast verdreifacht (im Mai 2000 wurde die Milliardengrenze überschritten), vor allem bedingt durch eine hohe Geburtenrate bei abnehmender Sterberate. Die zu 80,3% hinduistische, zu 11% islamische und zu 2,4% christliche Bevölkerung ist nach Abstammung und Sprache sehr gemischt. Es herrschen indoeuropäische Sprachen vor (u. a. Die Amtssprachen Hindi und Englisch; Bengali, Pandschabi, Rajasthani, Urdu, als Gelehrtensprache Sanskrit), daneben Dravidasprachen (u. a. Tamil, Telugu). 35% aller Inder über 15 Jahre sind Analphabeten.Etwa drei Viertel der Bevölkerung leben auf dem Lande, besonders dicht in Kerala, Tamil Nadu und im Gangesdelta. Die Städte nehmen an Zahl und Größe rasch zu; größte Stadt Indiens ist Mumbai (Bombay) mit über 10 Mio. Einwohnern. Etwa 13 Mio Inder leben im Ausland.

Wirtschaft Indien ist ein Agrarland. Über die Hälfte der Landesfläche wird bebaut, teilweise mit Hilfe von künstlicher Bewässerung. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Reis, Hirse, Weizen, Zuckerrohr, Sesam, Erdnüsse und Bananen. Exportkulturen sind Baumwolle und Jute, ferner Tee, Kaffee, Kokosprodukte und Pfeffer. Trotz einer Zahl von rund 209 Mio. Rindern hat die Viehzucht kaum wirtschaftliche Bedeutung, denn aus religiösen Gründen bleibt das Fleisch ungenutzt. Häute und Felle sind dagegen wichtige Exportartikel.Die Förderung der reichen Bodenschätze (besonders Eisen, Kohle, Erdöl, Bauxit, Mangan, Chrom, Antimon) nimmt rasch zu. Neben die traditionellen Industriezweige wie die Verarbeitung von Jute, Baumwolle, Leder und Zuckerrohr sind die Eisen- und Stahlindustrie getreten, weiterhin die Maschinenindustrie (insbesondere Textil- und Werkzeugmaschinen), Metall verarbeitende, Elektro-, Papier- und chemische Industrie (vor allem Erzeugung von Düngemitteln). Bangalore hat sich zu einem international bedeutenden Zentrum der Informationstechnologie entwickelt. Zahlreiche Wasser- und Wärmekraftwerke sowie 14 Kernkraftwerke (4 weitere sind im Bau) sichern die Energieversorgung.

Verkehr Die Eisenbahnlinien (rund 63 000 km) verbinden vor allem die großen Seehäfen mit den Industriegebieten und wichtigsten Städten. Nur etwa die Hälfte des indischen Straßennetzes besteht aus befestigten, ganzjährig befahrbaren Straßen. Die wichtigsten Seehäfen sind Mumbai (Bombay), Calcutta, Chennai (Madras), Cochin, Vishakhapatnam und Kandla. Der Luftverkehr ist gut ausgebaut; es gibt internationale Flughäfen in Mumbai, Calcutta, Chennai, Trivandrum und Delhi.

Politik und Verfassung Nach der (mehrfach geänderten) Verfassung vom 26. 1. 1950 ist Indien ein demokratisch-parlamentarischer Bundesstaat (Indische Union). Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident. Er wird von einem Gremium gewählt, das sich je zur Hälfte aus Abgeordneten des Bundesparlaments und der Gliedstaatenparlamente zusammensetzt. Die Amtszeit des Präsidenten beträgt 5 Jahre, wobei einmalige Wiederwahl möglich ist. Der vom Präsidenten ernannte Premierminister leitet die Unionsregierung, die dem Parlament verantwortlich ist.Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Lok Sabha (Haus des Volkes; entsprechend dem britischen Unterhaus) mit maximal 545 Mitgliedern, die - bis auf 2 vom Präsidenten ernannte - direkt in Einer-Wahlkreisen gewählt werden, und dem Rajya Sabha (Haus der Staaten) mit maximal 250 Mitgliedern, die - bis auf 12 ernannte - von den Parlamenten der Gliedstaaten entsandt werden. Ein Drittel der Abgeordneten des Rajya Sabha wird alle 2 Jahre ausgewechselt. Führende Parteien sind die Kongresspartei (Indian National Congress, INC) sowie die Bharatiya Janata Party (BJP), die eine hinduistisch-nationalistische Position vertritt.Indien gliedert sich in 28 Staaten (einschließlich Sikkim) mit eigenen Parlamenten und Regierungen und 7 zentral verwaltete Unionsterritorien; der föderalen Struktur steht eine starke Zentralgewalt gegenüber.

Sprachen In Indien werden mehr als 1.600 Sprachen bzw. Dialekte gesprochen. Neben den Amtssprachen Hindi und Englisch gibt es folgende 17 gleichberechtigte regionale Sprachen: Assamesisch, Bengali, Gudscharati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Malayalam, Manipuri, Marathi, Nepali, Oriya, Punjabi, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu und Urdu.

Sport Viele der in Indien weitverbreiteten Sportarten sind durch den Einfluss der britischen Kolonialherrschaft bekannt geworden. Das englische Cricket ist die mit Abstand beliebteste Sportart, es wird in Indien sogar mittlerweile besser gespielt als im Ursprungsland, die zweitbeliebteste Sportart ist Hockey.

Religionen Die Konfessionen verteilen sich wie folgt: 82 % Hindus, 12 % Moslems, 1 % Buddhisten, 1 % Sikhs, 0,5 % Jainas und 3,5 % andere (vor allem Christen, Baha'i, Parsen). Ungefähr sieben bis acht Prozent der indischen Bevölkerung zählen zu den indigenen Völkern Asiens (Adivasi). Soweit sie sich resistent erwiesen gegenüber den Missionsversuchen der großen Religionen, haben sie noch ihre eigene, jedoch nicht explizit ausformulierte oder schriftlich kodifizierte Religion bewahrt. Sie ist vergleichbar mit traditionellen afrikanischen Religionen.

Indische Küche Die Indische Küche ist die Zusammenfassung aller Kochkulturen, welches sich auf dem Indischen Subkontinent entwickelten. Sie ist vom Himalaya bis zur Südspitze Indiens recht verschieden. Als Inbegriff für diese Kochkultur ist in der Westlichen Welt das starke Würzen und das Verwenden von scharfen Soßen. Der Grund für die unterschiedliche Entwicklung dieser Küche sind religiös, mit der Kastenordnung und mit den geografischen Gegebenheiten zu erklären. So isst die Mehrheit der Hindus vegetarisch, nur wenige essen Fleisch, lehnen jedoch Rindfleisch strikt ab. Im Hinduismus gilt die Kuh als heiliges Tier. Dagegen essen die Muslime Fleisch, lehnen jedoch das Schweinefleisch strikt ab. Die Kastenlosen, also die unterste Schicht der Kastenordnung müssen dagegen alles verzehren, was sie zum Überleben brauchen. Auch die geografischen Bedingungen erzeugten eine unterschiedliche Ausprägung der Küche. Der Unterschied zwischen den nordindischen Gerichten mit denen des Süden des Landes sind recht groß. Im Norden wird sehr viel Weizen angebaut und die Menschen in diesem Landesteil bevorzugen eher Brotsorten. Dagegen wird auf Grund des günstigen Reisanbaus der Reis als Grundnahrungsmittel bevorzugt.

Baukunst Die aus Ziegeln errichteten Stadtanlagen des 3.- 2. Jahrtausends v. Chr. (Harappa-Kultur) wie jene der historisch-frühindischen Zeit beweisen große städteplanerische Leistungen, lassen aber ihres Ruinencharakters wegen die Hochbauarchitektur nicht erschließen. Erste Beispiele echter Architektur sind die nach achämenidischem Vorbild unter Kaiser Ashoka (273- 232 v. Chr.) aufgestellten Ediktsäulen, deren 9-12 m hohe Schäfte von mächtigen Tierkapitellen gekrönt sind. Die indische Kunst brachte in der Folgezeit drei architektonische Gebilde hervor: monolithische Felsbauten, Stupas und Tempel.Felshallen wurden vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in das 9. Jahrhundert n. Chr. in drei Phasen fortentwickelt: Die erste Phase (200 v. Chr.-200 n. Chr.) belegen die buddhistischen Anlagen um Bombay. Sie setzen sich aus jeweils einer Kulthalle und den Räumen des Klosters zusammen, wobei die Kulthallen die architektonisch entscheidenden Bauten sind. Im Zentrum der Apsis steht ein aus gewachsenem Stein geschlagener Stupa. Zwei Säulenreihen teilen die Halle längsseits in Hauptschiff und Seitengänge. Die bedeutendsten Hallen: Bhaja, Karli, Ajanta und Nasik. Reliefschmuck findet sich selten. Die zweite Phase des buddhistischen Felshallenbaus in Ajanta, Ellora und Aurangabad ist gekennzeichnet durch eine üppige ornamentale Dekoration der Außen- und Innenflächen und zahlreiche gemeißelte Darstellungen des Buddha und mahayanistischer Gottheiten.Äußerlich unterscheidbar sind auch die Höhlen der sich zeitlich mit der vorangehenden überschneidenden dritten Phase (6.-9. Jahrhundert) in Mahabalipuram, Badami, Ellora und auf Elephanta. An den Kultbildern sind sie als hinduistische und jinistische Anlagen zu erkennen. Die Hallenwölbung ist säulengetragenen Flachdecken gewichen. Der Stupa wandelte sich vom Reliquienhügel zum künstlerisch gestalteten buddhistischen Kultdenkmal. Die Grundform war ein massiver, glockenförmiger Baukörper auf einer oder mehreren Terrassen. Die Anlagen von Sanchi, Bharhut und Amaravati (200 v. Chr.-200 n. Chr.) gehören der großartigen Zaun- und Torreliefs wegen zu den wichtigsten Denkmälern frühindischer Kunst.Neben Stupas und Kulthallen spielte der buddhistische Freitempel eine untergeordnete Rolle; der Tempelbau war eine Domäne der Hindus und Jainas. Die frühesten Tempel entstanden im 4./5. Jahrhundert n. Chr.; die Grundform war eine viereckige Cella, vor der ein auf Säulen überdachter Eingangsraum lag. Die Cella als Raum für das Kultbild wurde bald durch Aufsetzen eines Turmstumpfes von der Eingangshalle abgehoben. Durch ständige Erhöhung des Turmstumpfes über der Cella entstand im Norden der im Mittelalter auf erhöhter Basis stehende Tempelturm. Die Vielzahl der Tempelbauten auf einem Platz führte zur Umgrenzung des Gebiets durch Mauern mit breiten, hoch aufragenden Torpyramiden. Eindrucksvollstes Beispiel der Spätphase ist der Tempelbezirk von Madurai.Mit Ausbreitung des Islams im 11./12. Jahrhundert begann die Blütezeit der indo-islamischen Baukunst. Einen Höhepunkt erreichte die persisch-indische Mischkunst während der Mogulherrschaft (Mausoleum Taj Mahal).
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